Nimm deinen Kopf in die Hand – Interview mit Petra Hackbarth

Im aktuellen Grün-Weiß Kurier (3/2015) hat sich Petra Hackbarth aus unserer 2. Damen 40 Mannschaft den Fragen unseres 1. Vorsitzenden Edgar Scholz gestellt.

Grün-Weiß Kurier: Wenn ich Dich auf unserer Tennisanlage sehe, bewundere ich Deine positive Ausstrahlung. Wie machst Du das nur?

 Petra Hackbarth: Danke für das Kompliment! Ich freue mich einfach jedes Mal, zu Grün-Weiß zu kommen. Der Tennisclub ist für mich wie ein zweites Zuhause. Ich kenne viele unserer Mitglieder, ich liebe den Tennissport mit der Bewegung an der frischen Luft und die gesellige Begegnung im Clubhaus vor und nach dem Spiel. Das sieht man mir dann wohl auch an.

 Grün-Weiß Kurier: Unserer Buchführung zufolge bist Du mit Deiner Familie 2007 in unseren Tennisclub eingetreten. Dass Du sportlich bist, steht außer Frage – aber gehörte denn bei euch speziell das Tennisspielen zum allgemeinen Familiensport?

Petra Hackbarth: Ja! Meine Eltern spielten und spielen begeistert Tennis, und so sind meine Schwester und ich schon als Kinder mit dem Tennissport groß geworden. Als Kinder hatten wir im Garten ein Federballnetz, über das wir mit Kindertennisschlägern und weichen Schaumstoff-Tennisbällen gespielt haben. Als das nicht mehr reichte, habe ich angefangen, im Tennisverein zu trainieren und habe als Jugendliche dann auch intensiv in der Jugend-, Damen- und Schulmannschaft bis zur Verbandsliga gespielt.

Grün-Weiß Kurier: Schon bald hast Du Dich in unserem Verein ehrenamtlich betätigt und warst damit auch an dem Um- und Aufbau unserer Jugendabteilung beteiligt. Was hast Du aus dieser Zeit für Dich mitgenommen?

 Petra Hackbarth: Für mich ist aktive ehrenamtliche Mitarbeit im Verein selbstverständlich, da ein Verein davon lebt. Dass dies manchmal eine undankbare Aufgabe ist, bei der es eher Kritik als Lob gibt, ist mir schon von meinem Vater bekannt, der jahrelang 1. Vorsitzender in meinem Heimat-Tennisverein TC Rot-Weiß Overath e.V. war. Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor dem Vorstand, der sich so unermüdlich für den Verein einsetzt. Ich bin nach wie vor gerne für die Jugendabteilung tätig, wenn es ums Organisieren, Verfassen und Versenden von Mailings geht. Wir haben rund um Alex Schürmann und Angela Krems eine gute, motivierte Truppe, in der sich jeder mit seinen Stärken optimal einbringt.

 GWL-Kurier: Ich finde es immer spannend, den Lebensweg von Menschen kennenzulernen, vom Geburtsort, über Wohnorte, Schule, Arbeit bis zur Familie. Ich stelle mir Deinen Lebensweg recht bunt vor. Trifft das zu?

 Petra Hackbarth: Ja, mein Leben ist bunt und das ist auch gut so. Ich bin bisher ungefähr ein Dutzend Mal umgezogen. Als Kind bin ich mit meinen Eltern von Köln erst nach München, dann zurück ins Rheinland nach Overath gezogen. Mich zog es dann Anfang der 90er Jahre nach dem Abitur und Ausbildung zur Wirtschaftsübersetzerin und Fremdsprachenkorrespondentin in Köln wieder nach München. Nach drei Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt und dortiger berufsbegleitender Ausbildung zur Handelsfachwirtin und ausgiebigem Biergartentest ging es zurück nach Overath, wo 1997 Flo geboren wurde. Kurz darauf zog ich mit meiner Familie nach Niedersachsen, hier kam 1999 in Hameln unsere Tochter Anna zur Welt. Leider haben wir uns in Niedersachsen nie ganz wohl gefühlt. So kamen wir 2001 zurück ins Rheinland nach Langenfeld, wo ich heute sehr gerne lebe.

 Petra Hackbarth: Nach meiner Ausbildung habe ich in mittelständischen Firmen im internationalen Marketing und Vertrieb gearbeitet. Seit ich Kinder habe, arbeite ich von zuhause aus als freiberufliche Wirtschaftsübersetzerin und seit fast zehn Jahren zusätzlich in Teilzeit in einer Solinger Firma im internationalen Projektmanagement sowie seit Beginn diesen Jahres als Leiterin im Beschwerdemanagement.

 Grün-Weiß Kurier: 2014 hast Du eine Ausbildung zum „Sport-Mental-Coach“ absolviert. Was können wir uns denn darunter genau vorstellen?

 Petra Hackbarth: Ich selbst bin ein Paradebeispiel für schwache Nerven auf dem Tennisplatz. Wie oft habe ich ein Match verloren, weil ich mehr gegen mich als gegen den Gegner gespielt habe! Irgendwann wollte ich dieses Kopf-Problem richtig angehen und mir außerdem ein zweites berufliches Standbein aufbauen. Beim „Sport-Mental-Coach“ dreht sich alles rund um das Thema mentale Stärke, d.h. Gedankenkontrolle, Stärken stärken, Motivation sowie verschiedenste Konzentrations- und Entspannungstechniken, damit im entscheidenden Moment alles klappt. Dazu gehören auch Methoden zum besseren Umgang mit Nervosität, Ärger, Stress, Ängsten, etc. Ein spannendes Thema finde ich, zumal diese Techniken auch beruflich und privat effektiv eingesetzt werden können.

 Grün-Weiß Kurier: Spezialisiert hast Du Dich nach dieser Ausbildung letztendlich auf das mentale Coaching im Tennis. Wer kann oder sollte Dein Angebot für Workshops und Coaching unter dem Motto „Nehmen Sie Ihren Kopf in die Hand“ in Anspruch nehmen?

 Petra Hackbarth: Jeder! Wir alle können lernen, unsere Gedanken in bestimmten Situationen zu kontrollieren und dadurch erreichen, unsere bestmögliche Leistung genau dann abzurufen, wenn es darauf ankommt. Ein kleines Beispiel: Wenn ich beim entscheidenden Aufschlag denke: „Mach jetzt bloß keinen Doppelfehler!“, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich einen Doppelfehler mache, da unser Unbewusstes keine „Verneinung“ kennt und die ganze Aufmerksamkeit auf „Mach Doppelfehler!“ richtet. Wenn ich mir stattdessen beim Aufschlag vor meinem inneren Auge genau vorstelle, wo der Ball im T-Feld aufkommt und positiv denke: „Den Aufschlag platziere genau vor die T-Linie in der Rückhandecke des Gegners!“, habe ich eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass der Aufschlag auch dort und nicht im Netz landet. Dies ist nur ein kleines Beispiel neben vielen anderen Techniken, wie Mental-Training funktioniert.

Grün-Weiß Kurier: Zurück in die Praxis zur Tennisanlage des TC GWL. Du spielst in einer Medenspielmannschaft mit. Ist es Dir selbst gelungen, Dein Kopftraining erfolgreich umzusetzen?

Petra Hackbarth: Ja, sonst könnte und würde ich das Thema Mental-Training auch nicht weiter verfolgen. Ich merke einen riesigen Unterschied. Vor allem fasziniert mich die Erkenntnis, dass sich alleine durch das bewusste Lenken meiner Gedanken meine Leistung verändert hat. Was früher undenkbar war: Ich habe zu Anfang dieser Saison mehrere klare 2-Satz-Siege bei den Medenspielen erzielt, weil ich endlich nicht mehr gegen mich selbst gespielt habe und endlich auch im Match richtig Spaß am Tennis hatte. Leider plagt mich seit Ende Mai eine hartnäckige Entzündung an der Ferse, die meine Leistung und damit meine Bilanz beeinträchtigt hat.

 Grün-Weiß Kurier: Zum Schluss möchten wir auch etwas lernen, schließlich leidet man als Vereinsführung manchmal unter Betriebsblindheit. Jetzt hast Du Gelegenheit, dem Vorstand mal mental den Kopf zu waschen. Was können oder sollten wir besser machen?

 Petra Hackbarth: Ehrlich gesagt – mir fällt auf Anhieb nichts ein, was ich zu bemängeln hätte. Ich finde, die Stimmung, der Umgang miteinander und die Atmosphäre im Club – soweit ich es mitbekomme – ist sehr gut! Der Vorstand vermittelt ein klares Bild, konzentriert sich auf das Wesentliche zur Erreichung der gesetzten Ziele und kommuniziert dies mit Transparenz und Klarheit an die Mitglieder! Das Generationenturnier zum 55. Geburtstag unseres Vereins fand ich ein sehr gelungenes Event. Alle Altersgruppen hatten trotz kritischer Witterung viel Spaß und haben vor allem abends bei großartiger Stimmung ausgelassen sich und den GWL gefeiert. Für mich war das ein Event, das gerne wiederholt werden darf!

Grün-Weiß Kurier: Mit diesem Wunsch stehst Du nicht alleine da und ich bin mir sicher, er wird in Erfüllung gehen. Ich danke Dir, dass ich mit Dir dieses unterhaltsame Gespräch führen konnte. Ich habe einiges gelernt und bleibe damit hoffentlich nicht allein.

Das Gespräch führte Edgar Scholz

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